Wenn ein Fall größer ist
als der Einzelfall.

Manche Mandate wirken über den konkreten Streit hinaus — sie prägen Rechtsprechung, Gesetzgebung und die öffentliche Debatte. Eine Auswahl der Verfahren, mit denen die JUN Legal GmbH und Rechtsanwalt Chan-jo Jun Maßstäbe gesetzt haben, insbesondere im Kampf gegen Hasskriminalität im Netz und für die Verantwortung digitaler Plattformen.

Die Verfahren.

[ Chronologisch ]
2015
StrafrechtHate Speechabgeschlossen

Strafanzeigen gegen Facebook-Führungskräfte

Staatsanwaltschaft München I (zuvor Hamburg)

Chan-jo Jun erstattete Strafanzeige gegen Mark Zuckerberg, Sheryl Sandberg und weitere Facebook-Verantwortliche wegen Beihilfe zur Volksverhetzung. Vorgeworfen wurde dem Konzern, Mordaufrufe, Gewaltandrohungen, Holocaustleugnung und weitere strafbare Inhalte trotz Kenntnis nicht zu löschen.

Die Staatsanwaltschaft leitete keine förmlichen Ermittlungen ein. Das Vorgehen erregte jedoch weltweite mediale Aufmerksamkeit.

BedeutungDas Verfahren gilt als mitursächlich für die Einführung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes (NetzDG), das soziale Netzwerke seit 2018 zur Löschung strafbarer Inhalte verpflichtet.

2017
PersönlichkeitsrechtFake Newsabgeschlossen

Modamani ./. Facebook

Landgericht Würzburg

Für den syrischen Geflüchteten Anas Modamani — dessen Selfie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in gefälschten Beiträgen mit Terroranschlägen und Straftaten in Verbindung gebracht wurde — beantragte die Kanzlei eine einstweilige Verfügung gegen Facebook auf Unterlassung der Verbreitung.

Mit diesem Verfahren stand Facebook erstmals vor einem deutschen Gericht. Der Eilantrag hatte vor dem Landgericht Würzburg keinen Erfolg, da dem Netzwerk eine konsequente Löschung sämtlicher Kopien nicht zugemutet wurde.

BedeutungDer Fall erlangte internationale Beachtung und prägte die gesetzgeberische Debatte über die Verantwortung von Plattformen für rechtswidrige Inhalte maßgeblich mit.

2021
PersönlichkeitsrechtGrundsatzverfahrenläuft

Künast ./. Meta

Bundesverfassungsgericht · Kammergericht Berlin · Bundesgerichtshof

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Renate Künast wehrt sich — unterstützt von HateAid und vertreten durch die JUN Legal GmbH — in mehreren Verfahren gegen Hasskommentare und ein ihr untergeschobenes Falschzitat auf Facebook.

2021 gab das Bundesverfassungsgericht einer Verfassungsbeschwerde Künasts statt: Auch Politikerinnen und Politiker sind vor herabwürdigenden Beschimpfungen geschützt, und die Fachgerichte müssen sorgfältig zwischen Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsrecht abwägen. Das Kammergericht Berlin entschied daraufhin 2022 zugunsten Künasts.

In einem zweiten Strang verpflichteten das Land- und das Oberlandesgericht Frankfurt Meta, ein als Meme verbreitetes Falschzitat samt aller „kerngleichen" Varianten zu entfernen. Über die Revision verhandelt der Bundesgerichtshof in letzter Instanz; er hat das Verfahren im Februar 2025 ausgesetzt und wartet eine Grundsatzentscheidung des Europäischen Gerichtshofs zur proaktiven Prüfpflicht von Plattformen ab (Stand: Mai 2026).

BedeutungEine wegweisende Klärung, dass auch Amtsträgerinnen und Amtsträger nicht jede Beschimpfung als „Teil des politischen Meinungskampfes" hinnehmen müssen — und bald möglicherweise, ob Plattformen kerngleiche Falschzitate proaktiv entfernen müssen.

In Kooperation mit HateAid

2022
NetzDGPlattformhaftungabgeschlossen

Blume ./. Twitter

Landgericht Frankfurt am Main

Für Dr. Michael Blume, den Antisemitismusbeauftragten des Landes Baden-Württemberg, erwirkte die Kanzlei im Dezember 2022 eine einstweilige Verfügung gegen Twitter. Hintergrund war eine Verleumdungskampagne mit falschen Tatsachenbehauptungen, von denen ein Großteil trotz Meldung online geblieben war.

Das Landgericht Frankfurt verpflichtete die Plattform, die rechtswidrigen Inhalte — und auch alle „kerngleichen" Aussagen — dauerhaft zu entfernen und künftig nicht wiederherzustellen.

BedeutungEin wegweisendes Urteil zur Reichweite der Löschpflichten nach dem NetzDG: Plattformen müssen nicht nur den gemeldeten Beitrag, sondern auch sinngleiche Wiederholungen entfernen.

In Kooperation mit HateAid

2025
Open-Source-RechtAutomotiveläuft

SAIC / MG — Open-Source-Lizenzen

Landgericht München I

Vor dem Landgericht München I ist ein Verfahren gegen die SAIC Motor Deutschland GmbH anhängig, den deutschen Importeur der Marke MG Motor — einer Tochter des chinesischen Staatskonzerns SAIC. Gegenstand ist die im Modell MG4 Electric verbaute Software, die in erheblichem Umfang auf quelloffene Komponenten zurückgreift.

Das Besondere an diesem Fall: Die für Open-Source-Software zwingenden Pflichtangaben fehlten vollständig. Weder Copyright-Hinweise noch Lizenztexte noch ein Zugang zum Quellcode waren auffindbar — und auch auf ausdrückliche Nachfrage wurde nichts bereitgestellt. Damit fehlen die notwendigen urheberrechtlichen Nutzungsrechte an der Fahrzeugsoftware insgesamt.

BedeutungEin Präzedenzfall zur FOSS-Compliance softwaredefinierter Fahrzeuge — mit Signalwirkung für den wachsenden Markt importierter Automobile chinesischer Hersteller.

Der rote Faden

Ein Verfahren gegen einen großen Player beginnt oft als aussichtslos. Manchmal verändert es danach die Rechtswirklichkeit.

Warum wir solche Verfahren führen.

[ Haltung ]

Öffentlichkeitsnahe Verfahren sind aufwendig, oft langwierig und selten kommerziell attraktiv. Wir führen sie, weil sie Fragen klären, die weit über den einzelnen Mandanten hinausreichen: Wie weit reicht die Verantwortung von Plattformen? Wann endet Meinungsfreiheit und beginnt eine Persönlichkeitsrechtsverletzung? Welche Pflichten ergeben sich aus dem Einsatz quelloffener Software?

Ein Teil der Arbeitszeit im Team ist für gesellschaftliches Engagement reserviert. In mehreren Verfahren arbeiten wir mit der gemeinnützigen Organisation HateAid zusammen, die Betroffene von digitaler Gewalt unterstützt.

Anerkennung & Auszeichnungen.

[ Chan-jo Jun ]

Das Engagement gegen Hasskriminalität und für die Verantwortung digitaler Plattformen wurde mehrfach öffentlich gewürdigt.

2024

Bayerischer VerfassungsordenFür besondere Verdienste um die bayerische Verfassung, verliehen von der Präsidentin des Bayerischen Landtags Ilse Aigner.

2022

For…Net Media AwardAuszeichnung des For…Net-Instituts für Internetrecht.

2022

Facts Heroes AwardVerliehen von der Berliner Initiative „Der Goldene Aluhut" für anwaltliche Zivilcourage und Aufklärung — auf Basis eines Publikumsvotings mit über 10.000 Stimmen.

2019

Georg-Sittig-MedailleFür besondere Verdienste um die Stadt Würzburg.

Im Zuge rassistisch motivierter Anfeindungen gegen Chan-jo Jun stellte sich die Bundesrechtsanwaltskammer öffentlich hinter ihn und wertete die Angriffe als Angriff auf die Anwaltschaft und den Rechtsstaat — ein Schulterschluss, dem sich weitere regionale Rechtsanwaltskammern anschlossen.

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